spaces of tragedy - Inszenierung zu “Die Bakchen” von Euripides

Jahr2006
ArtBühnenbild
AuftraggeberMAS Szenografie
LeistungsumfangKonzept

Einführung

Im Rahmen des Szenografiestudiums galt es gruppenweise ein Bühnenbild für eine Choreografie von Juan Carlos Garcia zu entwickeln. “Die Bakchen” von Euripides und darin vorkommende Themen wie z. B. der Wahnsinn lagen dem Projekt zugrunde. Bezüglich des Bühnenbilds war eine Vorrichtung mit zwei vielfältig verstellbaren Stoffsegeln als Projektionsflächen vorhanden. Zur Verfügung standen vier Tänzer und zwei Musiker (ein Violinist und ein DJ). Unsere Aufgabe war es, Bildmaterial zu sammeln und eine Szene vollumfänglich zu gestalten. D.h. vom Redigieren und schneiden des Bildmaterials, dem Planen des zeitlichen Ablaufs und des räumlichen Konzepts der Segelpositionen bis hin zur Definition, welche Tänzer zu welchem Thema tanzen sollten, und dem Entwurf der Lichtstimmung und des Soundteppichs war alles uns überlassen. Die Recherchearbeit fand in Zürich statt die praktische Arbeit nachher in einem Proberaum des “Institut del Teatre” Barcelona.

Bildmaterial

Das Thema Wahnsinn lag der Auswahl unseres Bildmaterials zu Grunde. Die Augen sind die Fenster der Seele. Der Wahnsinn oder die Verrücktheit einer Person ist in ihren Augen meist deutlich erkennbar. Es geht uns nicht um eine psychologische oder medizinische sondern um eine gefühlsbezogene Abhandlung des Themas. Ergebnis unserer Recherche war Filmmaterial (als Platzhalter für eine eigene Realisierung mit Schauspielern) aus folgenden Filmen:

  • “A Clockwork Orange” Stanley Kubrick, 1971
  • “Delicatessen”, Jean-Pierre Jeunet und Marc Caro, 1991
  • “Lost Highway”, David Lynch, 1997
  • “Un chien andalou”, Luis Buñuel, 1929

Dabei sind wir auf zwei Typen von Wahnsinn gestossen: Personen, die per se den Wahnsinn verkörpern und andere Personen bedrohen und Personen, die in den Wahnsinn getrieben werden. Die Idee war es, sowohl diese Furcht einflössenden Blicke und Gesichter, aus denen man deutlich Angst oder Wahnsinn entnehmen kann, auf die Bühne zu bringen, aber auch die Bedrohung aufzuzeigen, die eine Person in den Wahnsinn treibt oder die Gefühle, die Halluzinationen, die sie während eines Anfalls hat. Das Bildmaterial wurde vom Bildschirm gefilmt, um einen gewissen Filter zu erhalten.

Konzept für Choreografie und Bühnenbild

Zu unserer Vorstellung der Szene passt ein Solotanz. Die Tänzerin trägt ein kurzes rotes Nachthemd. Sie durchlebt in ihrer Performance durch die Bilder ausgelöste Phasen von Wahnsinn und erwacht zwischenzeitlich wieder daraus, um Momente der Klarheit zu erleben.

Das ausgewählte Filmmaterial wurde zu zwei Loops zusammengeschnitten, wobei einzelne Sequenzen repetiert oder anderweitig verfremdet wurden, damit sich die Intensität der Aussage verstärkt. Eine Leinwand - fast horizontal und flächig gespannt- bildet eine Art Himmel. Das bedrohliche Wetzen von Messern löst sich ab mit Furcht einflössenden Augen, welche auf die Person herunterblicken. Die Tänzerin wird durch diese äusserliche Bedrohung zeitweise in den Wahn getrieben. Das andere Segel wird im Vordergrund zu einem Trichter geformt und stellt die Halluzinationen und Wahnvorstellungen dar, welche im Innern der Person toben. Gezeigt werden wirre Filmfolgen, schleimige Tiere und Wahnträume. Da die Projektionen in unterschiedlicher Länge geloopt sind ergeben sich immer wieder neue Bildkombinationen. Wasser spielt in den Projektionen eine grosse Rolle und kommt auch als Thema in der improvisierten Musik wieder zum tragen.