Der geringste Widerstand - Citywalk zu Fischli/Weiss

Jahr2006
ArtCitywalk
AuftraggeberMAS Szenografie
LeistungsumfangKonzept

Einleitung

Das Ziel dieser Arbeit war es, einen Stadtrundgang über das Künstlerduo Fischli/Weiss zu entwerfen und zu gestalten. Dieser soll aber nicht ihre Werke dokumentieren, sondern die Essenz ihrer Arbeit verständlicher machen. Das Künstlerduo entnimmt, im Gegensatz zur künstlerischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts nicht Dinge des Alltags aus ihrem Kontext, um sie in den künstlerischen Status zu erheben. Vielmehr scheinen sie Interesse an der beeindruckenden visuellen Wirkung von nicht wahrgenommenen, weggeworfenen oder unscheinbaren alltäglichen Motiven zu finden. In ihrem Film “Der geringste Widerstand” unterhalten sich Fischli / Weiss alias Ratte und Bär fast immer auf der Grenze zwischen unendlicher Weisheit und Trivialität, einer Mischung aus Sokrates und Biertisch. Der Film entstand am Anfang ihrer Karriere in den 80er Jahren und trägt bereits die für sie typische Handschrift. Darin sind etliche Informationen enthalten, die zum Teil auch auf die späteren Werke verweisen. Deshalb haben wir uns entschieden, diesen Film als Vorlage für unseren Stadtrundgang zu nehmen. Da der Film bereits eine vorgegebene Handlung hat, haben wir diese für unser Konzept übernommen. Wir verarbeiteten nur die signifikanten Szenen, welche uns wichtig zum Verständnis des Ganzen erschienen und fügten diese thematisch in die einzelnen Stationen des “City Walks” ein. Der Betrachter soll bei diesem Stadtrundgang auf eine Reise geschickt werden, welche die Künstler einst selbst unternommen haben, und dabei die vertrauten, nebensächlichen Gegenstände und Situationen hinterfragen. Der Besucher soll durch den Einsatz und die stets andere Kombination der verschiedenen Medien an den jeweiligen Stationen, auf eine Wanderschaft geschickt werden, die zu einem Erlebnis werden soll zwischen “realem Film” und filmischer Realität d. h. eine Mischung aus Fiktion und Realität.

Handlung des Films (kurze Zusammenfassung)

Die Ratte ruft den Bären an und liest ihm aus einem Zeitungsartikel vor: es herrscht zunehmende Gewalt in der Kunstwelt und man vermutet, dass der Ursprung dieser Gewalt wahrscheinlich aus der Langeweile kommt, die dort herrscht. Die beiden treffen sich und beschliessen, mit Betrug in der Kunstwelt viel Geld zu kassieren. Da sie aber nichts von dieser Welt verstehen, beschliessen sie, eine Bildungsreise in die Kunst zu machen. Darauf landen sie in einer Galerie, in welcher interessante moderne Skulpturen gezeigt werden und ein Toter am Boden liegt. Sie nehmen sich vor, die Probleme an der Wurzel zu fassen und den Fall zu lösen. Ihre nächste Station ist eine Villa mit Pool, wo die Überreste einer Gartenparty liegen geblieben sind, u.a. viele Kunstbücher mit Abbildungen von Mondrian, Klee, Picasso, Hockney usw. Auf einer Autofahrt fantasieren sie davon, selbst Kunst zu machen.

Bei der Ratte in der Wohnung angekommen geraten sich die beiden bei grundsätzlichen Diskussionen in die Haare. Die Ratte möchte Künstler und Detektiv gleichzeitig sein (im Gegensatz zum Bär, der glaubt man muss sich entscheiden) und sagt: “Erstens bin ich ein grosser Romantiker und zweitens geht das bestens zusammen. Ich glaube an die Schönheit und Wahrheit.” Da meint der Bär: “Schönheit und Gerechtigkeit haben nichts miteinander zu tun. Auf Nimmerwiedersehen, Spinner!” Die Ratte beschliesst, den Fall allein zu lösen mit der Überzeugung, dass der Polizist der Pinsel ist, die Justiz der gute Geschmack des Polizisten und ein ungelöster Fall eine leere Leinwand. Sie überlebt auf ihren Streifzügen einen Mordanschlag und gerät in eine Sinneskrise. Daraufhin versöhnen sich die beiden wieder. Nachdem nun auch der Bär bei einem gemeinsamen Picknick eine Krise bekommt, begreifen sie, dass ihre Wünsche in der verkommenen Kunstwelt nicht erfüllt werden. Aus diesem Grund wenden sie sich der philosophischen Wissenschaft zu. Konzentriert an einem Schreibtisch arbeitend, beginnen sie die Totalität der Schöpfung zu verstehen und diese in komplexen Diagrammen zu zeichnen. Sie beschliessen, diese Theorien in kleinen Büchlein festzuhalten, diese zu verkaufen und damit reich zu werden. So kehren sie nach dem Versuch Künstler, Detektiv oder Wissenschaftler zu sein, wieder auf den Boden der Geldgeschäfte zurück. In der letzten Szene besteigen sie einen Helikopter mit einem Aktenkoffer voller Büchlein und fliegen über die Stadt, im Hintergrund hört man pompös-kitschige Musik.

Der Stadtrundgang

Am Hauptbahnhof wird eigens für den City Walk “Der geringste Widerstand” ein Billethäuschen errichtet. Der Besucher begeht maximal zu zweit den Rundgang, damit das Erlebnis nicht durch andere gestört werden kann. Man meldet sich telefonisch oder per Mail an und bucht einen Termin. Es kann jede halbe Stunde ein Rundgang gestartet werden. Beim Start holt man im Billethäuschen ein Büchlein ab, das eigens für diesen Stadtrundgang konzipiert wurde. Dieses enthält einen RFID-Tag, die Anleitung zum City Walk und Hintergrundinformationen zu Fischli / Weiss. Der Rundgang ist so konzipiert, dass man selbst herausfinden muss wo genau die nächste Station ist. Hinweise dazu findet man im Büchlein oder durch ein Icon von Bär und Ratte, das immer wieder in der Nähe der Stationen auftaucht. Bei Erhalt des Büchleins erhält man die Anweisung mit dem Bus Nummer 46 bis zur Rosengartenstrasse zu fahren. Beim Betreten des Busses wird durch den RFID-Tag eine Audiocollage ausgelöst, welche über die Lautsprecher für alle zu hören ist. Unser Audiokonzept kommt immer bei den Fahrten von Station zu Station zum tragen. Zu hören sind entweder Dialoge kombiniert mit Musik aus dem Film - oder nur Musik.